R,B: Maren Ade. K: Bernhard Keller. S: Heike Parplies.
D: Birgit Minichmayr, Lars Eidinger, Hans-Jochen Wagner, Nicole Marischka u.a.
Gitti (Birgit Minichmayr), die unkonventionelle und spontane Public-Relations-Frau aus dem Musikbusiness, verbringt mit ihrem Freund Chris (Lars Eidinger), dem eher introvertierten, begabten, aber erfolglosen Architekten den Sommerurlaub im Haus der Mutter. Voll gestopft mit süßlichem Sehnsuchts-Kitsch erinnert es Chris daran, dass er weit davon entfernt ist, materiell auf eigenen Beinen zu stehen und das zu sein, was er von sich selbst einfordert – ein erfolgreicher, sich selbst verwirklichender Architekt. So kommt es, dass trotz aller äußeren Harmonie allmählich das Bild eines sehr ungleichen, viele kleine Geheimnisse voreinander verbergenden Paares entsteht. Regisseurin Maren Ade räumt beiden Figuren gleich viel Platz ein. Der Protagonist, der sie interessiert, sind nicht Mann oder Frau, sondern das Paar als Ganzes, als ein „einzigartiges Gebilde, das zwei Menschen ergeben, wenn sie eine Liebesbeziehung führen“ - verworren und rätselhaft zugleich.
Diese Gebilde strebt immer stärker auseinander, als Chris einem alten Bekannten und erfolgreichen Berufskollegen begegnet, der ihm trotz Prahlerei und konventioneller Mann-Frau-Rollenverteilung so sehr imponiert, daß er beginnt, dessen Verhalten in der eigenen Beziehung zu kopieren. Subtil und grausam zugleich beobachtet Ade die Verletzungen, die Chris mit seinem Anpassungsdruck und Machtanspruch bei seiner Freundin schlägt. Birgit Minichmayr wächst in ihrer Rolle als kämpferische, aber immer trauriger werdende Freundin, der ihr sympathischer Eigensinn ausgetrieben werden soll, schier über sich hinaus. Die Aufrichtigkeit, extreme Sensibilität und Durchlässigkeit im Spiel mit ihren kongenialen Schauspielkollegen ermöglicht es, die emotionale Orientierungslosigkeit einer ganzen Generation weit über die Grenzen Berlins erfahrbar zu machen. Einer Generation, deren Identitätssuche alles andere als banal und belanglos ist.
Auf der Berlinale 2009 war Ade mit ihrem zweistündigen Beziehungsdrama im Wettbewerb vertreten und hat den Großen Preis der Jury erhalten, ihre Schauspielerin Birgit Minichmayr wurde mit dem silbernen Bären als Beste Darstellerin ausgezeichnet.